Der Wandel beginnt in uns – Teil 1, Umgang mit der Erde

In meinem Blog «Wir sind auf dem Weg, aber wohin?» habe ich gesagt: «Ich wünsche mir, dass die Menschen erkennen, dass alles bereits da ist und nur darauf wartet, dass sie aufwachen.» Was meine ich damit? Und wieso ist es gerade jetzt so wichtig? Diese Fragen möchte ich in diesem Text erläutern.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich viele Menschen in einem tiefen Schlaf befinden. Sie scheinen keine Neugier in sich zu tragen und fühlen auch nicht das Bedürfnis irgendetwas auf dieser Welt zu hinterfragen oder zu verstehen. Sie sehen die Bedingungen der Welt als gegeben an und leben in dem Glauben, dass sie nichts verändern können. Und doch fühle ich, dass in jedem Menschen eine Flamme brennt, die sich sehnt nach einer besseren Welt. Dieser Wunsch mag tief vergraben sein unter Prägungen, Mustern und Glaubenssätzen, aber er leuchtet und ist da in uns allen.

Wir Menschen tragen die Verantwortung für die Erde.
Wir Menschen tragen die Verantwortung für die Erde.

Wenn wir uns umsehen, sind wir mit vielen globalen Problemen konfrontiert. Es gibt Krieg, Hunger, Armut und Umweltverschmutzung, um nur ein paar zu nennen. Und doch verschliesst ein grosser Teil der Menschen seine Augen vor diesen Zuständen. Ich kann das sogar verstehen. Es tut weh zu sehen, dass der Planet tagtäglich zerstört wird. Es tut weh zu sehen, wie Kinder hungern und ganze Völker leiden. Wenn wir hinsehen, müssen wir über uns als Weltbevölkerung nachdenken und eingestehen, dass wir Fehler gemacht haben und immer noch machen und zwar jeder von uns. Ich glaube, wir sind an einem Punkt, an dem es alle betrifft – niemand ist mehr unbeteiligt. Ich nicht, Du nicht. Wenn wir das akzeptieren und erkennen, dass wir als Bevölkerung der Erde die Welt erschaffen, in der wir leben, dann beginnt etwas sehr Wichtiges: Wir übernehmen wieder die Verantwortung. Es ist eine Verantwortung, die wir eigentlich immer hatten. Die Verantwortung für die eigene Heimat kann man nicht abgeben. Und doch haben wir sie von uns geschoben und uns eingeredet, wir hätten sie nicht. Wir haben uns verhalten, als wären wir nicht Teil der Welt. Als würden wir irgendwo aussen stehen und das Geschehen beobachten, ohne Einfluss nehmen zu können. Aber das ist nicht wahr. Jeder von uns nimmt Einfluss, jeden Tag. Und wenn wir das verstanden haben, dann können wir anfangen unseren Einfluss zu steuern und in die richtige Richtung zu lenken.

Die Menschen sind sehr gut darin, sich den Wunsch nach globaler und tiefgreifender Veränderung wegzureden. «Ich kann ja eh nichts ändern», «Ich habe keine Zeit», «Die Politiker machen sowieso, was sie wollen», usw. Und so fokussieren sie sich auf ihr Leben im bestehenden System und versuchen, wenigstens dieses möglichst unbeschadet und glücklich zu durchlaufen. In dieser Generation mag das noch funktionieren, aber was ist mit der nächsten? Welche Welt wollen wir unseren Kindern und Enkeln hinterlassen? Wünschen wir uns nicht das Beste für sie? Wünschen wir Ihnen nicht gesunde Luft, gesundes Wasser, gesunden Boden, Frieden und Fülle in allen Bereichen? Und lieben wir sie genug, um alles zu tun, was notwendig ist, um ihre Zukunft sicherzustellen?

Aber was können die Menschen konkret tun? Zuerst einmal dürfen wir uns von Glaubenssätzen verabschieden, die uns bremsen. Sätze, die uns einreden, dass wir nichts verändern können, weil es zu schwer ist oder weil wir keine Zeit, kein Wissen oder keine Möglichkeiten haben. Es ist verständlich, dass wir solche Gedanken haben. Es ist das, was uns über Jahrzehnte von der Gesellschaft, Eltern oder Lehrern eingeredet wurde. Auch ich hatte Glaubenssätze wie: «Wenn nur ich etwas ändere, macht es keinen Unterschied, also kann ich es gleich lassen.» Oder: «Das ist alles so schwer, ich weiss nicht, wo ich anfangen soll. Vielleicht unternimmt ja jemand anderes etwas.» Hierzu sagte Albert Einstein einst: «Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und zu hoffen, dass sich etwas ändert.» Ja, diesem Wahnsinn war ich verfallen. Ich sah, dass sich auf der Welt etwas ändern muss und hoffte, dass die Änderung herbeigeführt wird – einfach nicht von mir.

Wir leben in einer Zeit, in der wir alle freien Zugang zu Informationen haben. Information ist Wissen und wenn wir wissen, dann können wir dementsprechend handeln. Die Basis der konkreten Veränderung zum Schutz der Erde sehe ich in der Tatsache, dass wir eine Konsumgesellschaft sind. Unser Konsumverhalten steuert direkt die Wirtschaft. Was wir konsumieren, das wird hergestellt und angeboten. Also müssen wir uns fragen, wie und was wollen wir konsumieren? Kaufen wir regionale, saisonale oder vegane Produkte? Achten wir bei den Labels auf Bio, Demeter und Fair Trade? Entscheiden wir uns für natürlich abbaubare Putz- und Waschmittel und Produkte aus Recyclingmaterial? Verwenden wir wiederverwendbare Einkaufstaschen und verzichten auf Wegwerfartikel und Plastik? Trennen und recyclen wir unseren Abfall? Nutzen wir die öffentlichen Verkehrsmittel und verzichten auf Flugreisen?

Sei ein Leuchtturm und inspiriere andere Menschen allein durch Dein Sein!
Sei ein Leuchtturm und inspiriere andere Menschen allein durch Dein Sein!

Es gibt bereits viele Philosophien und Lebensweisen, die sich mit diesen Fragen auseinandersetzen, wie z.B. Minimalismus (Es wird nur noch das Nötigste gekauft), Shop Stop (Es wird nur noch Second Hand gekauft), Veganismus (Rein pflanzliche Ernährung) oder Zero Waste (Es wird so eingekauft, dass möglichst kein Abfall entsteht). Im Grunde geht es bei all diesen Lebensweisen um die Bemühung, den Planeten und seine Bewohner so wenig wie möglich zu belasten und selbst ein gesundes und nachhaltiges Leben zu führen. Das Feld ist riesig und es gibt unglaublich viele Dinge, die wir tun können. Aber es soll hier nicht um Zwang, Konkurrenz oder Verurteilung gehen. Jeder darf das machen, wovon er spürt, dass es gerade stimmig und machbar ist. Einfach aus dem Herzen heraus. Auch ich habe immer noch viel umzusetzen und tue dies Schritt für Schritt im meinem eigenen Tempo. Am Ende ist es die Bemühung, die zählt, egal wie klein oder gross sie sein mag. Ich möchte keine Denkweisen fördern, welche die Menschen in gute und schlechte trennt. Ich schätze Menschen, die ihr Wissen teilen, aber nicht solche, die ihr Denken anderen aufzwingen wollen. Der freie Wille eines jeden soll immerzu respektiert werden. Was ich liebe sind Menschen, die Vorbilder sind – Leuchttürme und Wegweiser für andere. Menschen, die Impulse geben und die allein durch ihr Sein und Wirken andere inspirieren. Das ist es, was ich mir wünsche. Oder wie Mahatma Gandhi sagte: «Sei du selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst.»

Der Wandel, er beginnt in uns selbst. Und damit meine ich nicht nur, dass wir stromsparende Glühbirnen verwenden. Ich spreche von einem Wandel unseres Bewusstseins im Umgang mit dem Planeten Erde. Ich spreche davon, dass wir verstehen, dass es die Erde ist, die uns das Leben überhaupt ermöglicht. Ich spreche von Respekt, Dankbarkeit und Liebe. Die Erde lebt. Und das ist nicht nur ein Sinnbild oder eine Floskel, sie ist tatsächlich ein lebendes Wesen. Wenn wir das verstehen, können wir die Beziehung zu ihr wieder pflegen und die Verbindung spüren, die wir natürlicherweise zu unserem Zuhause haben. Es ist eine Verbindung, die unabhängig von äusseren Umständen existiert. Wir müssen uns nicht direkt in der Natur befinden oder auf dem Land leben, um mit der Erde in Kontakt zu sein. Es ist eine Beziehung, die unserem Innern entspringt – unserem Herzen. Und wenn uns die Erde am Herzen liegt, dann werden wir anders mit ihr umgehen. Dann werden wir nicht nur Bewohner sein, sondern die Hüter der Erde.